Defekter Camcorder Grundig LC 410 C aus dem Jahr 1994

Camcorder für VHS-C-Videokassetten Grundig LC 410 C

Camcorder vor mehr als 20 Jahren

Vor inzwischen weit mehr als 20 Jahren waren Camcorder wie dieser hier aktuell und wurden verwendet, um mehr oder weniger bedeutende Szenen aus dem Familienleben oder dem Privatleben visuell festzuhalten. Wahrscheinlich diente auch dieses Gerät vor einigen Jahren genau zu diesem Zweck. Heute wird wahrscheinlich diese Technik mehr belächelt als tatsächlich noch verwendet. Allerdings können diese Geräte noch gebraucht werden bzw. werden sogar benötigt, um alte Videokassetten im Format VHS-C auf andere Medien zu überspielen. Alternativ könnte man hierzu auch einen herkömmlichen Videorekorder mit einem VHS-C-Kassettenadapter benutzen. In diesem Fall sollte allerdings dieser Camcorder des Typs LC 410 C dazu verwendet werden. Dieses Gerät hier gehört übrigens zu einer damals recht gängigen Baureihe der japanischen Firma Panasonic, deren Geräte in der damaligen Zeit unter den bekannten Namen verschiedener Markenhersteller vertrieben wurden. Heute würde man sagen, die Geräte waren "gelabelt". Tatsächlich ist beispielsweise dieser Camcorder hier völlig baugleich mit dem Gerät des Typs Panasonic NV-R10E aus dem gleichen Herstellungsjahr.

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Das Gerät besitzt aus heutiger Sicht eine recht spartanische Ausstattung. So können zum Beispiel das Datum und die Zeit in die Aufnahme eingeblendet werden. Ebenso ist es möglich, die Aufnahme langsam ein- und auszublenden und den Weißabgleich sowie die Belichtungszeit anhand der gewünschten Aufnahmeszene einzustellen. Selbstverständlich kann der Camcorder die gemachten Aufnahmen auch abspielen. Sie können entweder über den eingebauten Suchermonitor angeschaut werden (allerdings ohne Ton) oder auch über einen angeschlossenen Fernseher oder Monitor. Vorne rechts besitzt der Camcorder dazu zwei Cinchbuchsen für das Ton- sowie das Bildsignal.

In diesem Bild ist das Gerät mit geöffnetem Kassettenfach zu sehen. Leider funktionierte dieses Exemplar nicht mehr richtig. Während des Abspielens einer eingelegten VHS-C-Videokassette waren fast unerträgliche Geräusche aus dem Laufwerk zu hören. Wie sich herausstellte, handelte es sich hierbei um recht unangenehme Laufgeräusche der eingebauten Kopftrommel, die in diesem Bild links im Kassettenfach zu sehen ist. Anscheinend waren die Lager der Kopftrommel komplett trocken gelaufen und verursachten nun diese unangenehmen und ganz sicher nicht gesunden Geräusche. Die trocken gelaufenen Lager der Kopftrommel führten sogar dazu, dass ein Abspielen einer eingelegten Kassette nicht mehr möglich war. Nach einigen Sekunden zeigte das Gerät nur noch eine Fehlermeldung bzw. einen Fehlercode im Suchermonitor an. Allerdings was aufgrund der lauten Laufgeräusche ohnehin nicht ratsam, das Gerät zu für längere Zeit zu betreiben.

Dieser Camcorder des Typs Grundig LC 410 C zeigte allerdings noch einen weiteren Fehler. Das aufgenommene Bild konnte nicht mehr richtig fokussiert werden. Im Suchermonitor war dementsprechend nur ein sehr unscharfes Bild zu erkennen, wie es auch in diesem Bild zu sehen ist. Zunächst wollte ich mich aber erst einmal um die trocken gelaufenen Lager der Kopftrommel kümmern.

Einen Camcorder zu zerlegen, ist meistens eine nicht ganz so einfache Angelegenheit. Man kann durchaus sagen, dass das Zerlegen umso komplizierter wird, je kleiner oder auch kompakter das Gerät aufgebaut ist. In diesem Bild ist das zum Teil zerlegte Gerät mit der Hauptplatine zu sehen. Um an die eingebaute Kopftrommel zu kommen, muss natürlich auch noch die andere Seite geöffnet werden. Nach dem Lösen aller von außen zugänglichen Schrauben konnte ich zunächst den Kassettenfachdeckel und die rechte Gehäusehälfte abnehmen.

In diesem Bild ist das Gerät mit abgenommener linker Gehäusehälfte zu sehen. Vorne am Laufwerk befestigt befindet sich das Kameramodul, das ich mir später aufgrund des gezeigten Fehlers noch einmal ansehen wollte. Zunächst ging es mir jedoch darum, das Lager der Kopftrommel neu zu schmieren, um die schädlichen und unangenehmen Laufgeräusche zu beseitigen.

Nachdem ich mir den gesamten Aufbau eine Weile betrachtet habe, entschloss ich mich dazu, das Kameramodul zunächst auszubauen und die Metallstreben über der Kopftrommel zu entfernen, um diese später ausbauen zu können. Hierbei besteht immer eine gewisse Gefahr, die empfindlichen Flexprint-Kabel zu beschädigen, die hier zum Anschluss des Kameramoduls an die Hauptplatine dienen. Diese sollten sehr vorsichtig behandelt werden.

Nach dem Ausbau der Metallstreben musste noch die Andruckrolle aus dem Laufwerk ausgebaut werden. Nach dem Herausdrehen einer einzigen Schraube konnte ich diese herausnehmen. Die Kopftrommel ist nun besser zugänglich und kann ebenfalls ausgebaut werden. Dazu habe ich zunächst die oberen drei Schrauben entfernt. Nach dem Abnehmen der kleinen Metallplatte darunter sowie dem Entfernen des weißen Kunststoffringes konnten auch die beiden darunter liegenden Kreuzschlitzschrauben herausgedreht werden. Danach konnte ich die Kopftrommel vorsichtig abziehen.

Direkt unter der Kopftrommel befindet sich der drehbare Teil des Übertragers. Dieser dient dazu, die Videosignale von der Kopftrommel induktiv zur Elektronik bzw. zum Vorverstärker des Videogerätes zu übertragen.

Hier ist der feste Teil des Übertragers für die Videosignale zu sehen. Im Mittelpunkt befindet sich die Welle, welche die Kopftrommel aufnimmt. Angetrieben wird die Kopftrommel übrigens über einen permanenterregten Drehfeldmotor, dessen drehbarer Teil mit den Magneten über zwei Schrauben mit der Kopftrommel verbunden wird.

Die empfindliche Kopftrommel konnte ich aus dem Laufwerk herausnehmen, nachdem ich das Kassettenfach geöffnet hatte. Sie musste mit äußerster Vorsicht behandelt werden, um die empfindlichen Videoköpfe am unteren Rand nicht zu beschädigen. In der Mitte der Kopftrommel zu sehen ist die völlig trockene Lagerbuchse, die ich vor den Wiedereinbau mit etwas Schmiermittel versehen habe.

Hier wurde die Kopftrommel wieder eingebaut. Eine erste Funktionskontrolle war erfolgreich. Die Kopftrommel läuft nun fast lautlos und gleichmäßig. Nun musste ich nur noch die Kopftrommel vorsichtig reinigen, um meine Fingerabdrücke zu entfernen.

Das Kameramodul beinhaltet entsprechende Stellmotoren für den Focus, den Verschluss und den Zoom. In diesem Bild sind drei Motoren zu sehen, die als Stellelemente für diese Funktionen dienen. Auch der Zoom ließ sich bei diesem Camcorder übrigens nicht vernünftig einstellen. Möglicherweise lag dies daran, dass die Stellmotoren oder die entsprechende Mechanik nicht mehr leichtgängig waren. Ich habe mir die entsprechenden Stellmotoren einmal angesehen und deren Leichtigkeit sichergestellt. Später sollte dann eine Funktionsprobe bei zusammengebautem Gerät erfolgen.

Hier ist noch einmal das komplette Kameramodul zu sehen. Nach dem Zusammenbau der Kamera bzw. des Camcorders sollte sich zeigen, ob alle Funktionen wieder einwandfrei funktionieren würden.

Der Camcorder Grundig LC 400 C während des Zusammenbaus. Das Anbringen der Steckverbindungen mithilfe der Flexprint-Kabel ist immer wieder eine recht fummelige Angelegenheit. Mit etwas Geduld jedoch sollte sich auch dieser Aufgabe lösen lassen.

Nun ist es endlich soweit: Ein erster Probelauf nach der Reparatur konnte stattfinden. Hier ist das Gerät mit eingelegter VHS-C-Videokassette während dieses ersten Probelaufs zu sehen. Das Laufwerk läuft nun wieder leise und einwandfrei. Auch die Bildqualität der Videoaufnahme ist recht gut, obwohl die Kassette schon fast zwei Jahrzehnte alt ist.  Nun muss nur noch der Deckel für das Kassettenfach montiert werden. Anschließend kann das Digitalisieren der alten Videobänder erfolgen.

Übrigens: Die oben erwähnten Fehlfunktionen der Kameraoptik wegen der Stellmotoren sind leider noch nicht ganz behoben. Hier und da hakt es noch etwas. Allerdings soll der Camcorder auch nicht mehr verwendet werden, um neue Aufnahmen auf Videoband aufzuzeichnen. Es reicht vollkommen aus, wenn das Gerät noch zur Wiedergabe der alten Videobänder benutzt werden kann.

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